Amboseli News: Januar bis März 2026

Ginger von den GBs

Das erste Quartal 2026 war für das Ökosystem von Amboseli ein außerordentlich erfreuliches. Die Regenfälle setzten deutlich früher als erwartet ein; im Februar wurden 127 mm und im März 162 mm Niederschläge gemessen. Das sind zusammen rund 85 % des Jahresdurchschnitts. Die Veränderung der Landschaft verlief rasant und eindrucksvoll – trockene Ebenen wurden fast über Nacht grüne Savannen, die Sümpfe füllten sich erneut, und für das gesamte Ökosystem begann eine Phase des Überflusses. Davon profitierten nicht zuletzt auch die Elefanten. Ihre Population zeigte sich insgesamt in bester Verfassung, der Baby-Boom von 2025 setzte sich fort und die Kälbersterblichkeit war weiterhin sehr niedrig.

 

Die RA-Familie mit Rena
Die RA-Familie mit Rena
Mitglieder der RA-Familie
Mitglieder der RA-Familie

 

Da nun überall Nahrung und Wasser zu finden war, verließen viele Elefanten und andere Tiere, wie erwartet, den Nationalpark, um außerhalb liegende Weidegründe aufzusuchen. Unter ihnen befanden sich die EBs mit ihrer Matriarchin Enid. Es gab aber auch mehrere Familien und unabhängige Bullen, die weiterhin wenigstens zeitweise im Park anzutreffen waren, darunter die AAs, ACs, FBs, GBs, HAs, HBs, JBs, KBs, PCs und RAs.

 

Die PC2-Famile mit Pink, Piedad und Plerades
Die PC2-Famile mit Pink, Piedad und Plerades

 

Es gehört zu den typischen Verhaltensweisen von Elefanten, dass sie sich in Zeiten mit gutem Nahrungs- und Wasserangebot oft in großen Gruppen zusammenschließen, die aus zwei oder mehr Familien bestehen. Dies ist ein besonders eindrucksvoller Beleg für ihren sozialen Charakter, denn gerade jetzt wäre es für sie ein Leichtes, sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen – wenn sie das wollten. Doch sie ziehen es vor sich mit anderen Familien zu treffen, alte Freunde wiederzusehen, neue Freundschaften zu schließen und gemeinsam die guten Zeiten zu genießen.

 

Die FB-Familie zusammen mit der befreundeten HA-Familie
Die FB-Familie zusammen mit der befreundeten HA-Familie
Die FB-Familie in Begleitung eines unbekannten Bullen
Die FB-Familie in Begleitung eines unbekannten Bullen

 

Das Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) konnte mehrere dieser Zusammenschlüsse beobachten. So wurden sie Zeugen eines Treffens der AA- und AC-Familien, der FBs und ihre alten Freunde der HAs, sowie einer besonders großen Versammlung, der die JBs, HBs, PCs und KBs angehörten.

 

Die AA- und AC-Familien sind zusammen gekommen.
Die AA- und AC-Familien sind zusammen gekommen.
Mitglieder der AA- und AC-Familien kühlen sich gemeinsam im Sumpf ab.
Mitglieder der AA- und AC-Familien kühlen sich gemeinsam im Sumpf ab.

 

Von den AAs gibt es eine wichtige Neuigkeit: Nachdem ihre letzte Matriarchin Astrid Ende 2022 oder Anfang 2023 gestorben war, gab es lange Zeit keine Klarheit, wer ihre Nachfolgerin werden würde. Inzwischen aber sieht es so aus, dass Anghared die neue Matriarchin ist. Wir hoffen, dass es ihr gelingt, die Familie zusammenzuhalten und alle kommenden Herausforderungen zu meistern.

Da die AAs den Park kaum verlassen, werden sie selten oder nie in Mensch-Wildtier-Konflikte verwickelt. Dafür haben sie allerdings das Problem, während Trockenzeiten ausreichend Nahrung in ihrem üblichen Streifgebiet zu finden, welches hauptsächlich in und um den Longinye-Sumpf liegt. Schon Astrid hatte daher die Wanderungen der AAs bis in den benachbarten Ol Tukai Forest ausgedehnt, der auch in regenarmen Zeiten ein relativ gutes Nahrungsangebot bereithält. Wir sind gespannt, ob Anghared dieses neue Gebiet ebenfalls nutzen wird.

 

Die AA-Familie auf ihrem Weg durch die Amboseli-Ebene.
Die AA-Familie auf ihrem Weg durch die Amboseli-Ebene.
Angelina von den AAs
Angelina von den AAs

 

Besonders oft konnte das ATE-Team die GBs beobachten, die zu den größten Familien in Amboseli gehören. Aufgrund ihrer großen Zahl ist es für sie manchmal schwierig, ausreichend Nahrung für alle zu finden, weshalb sie sich meistens in zwei Untergruppen aufteilen. Diese werden von Golda und Gail angeführt. Die Feldforscherinnen von ATE begegneten beiden Gruppen, besonders häufig aber der von Golda.

 

Gail, eine Matriarchin der GBs
Gail, eine Matriarchin der GBs
Garbatula von den GBs
Garbatulla von den GBs
Ginger von den GBs
Ginger von den GBs

 

Aktuell haben die GBs viele noch recht junge Kälber. Diese lieben es, miteinander zu spielen, und wenn sie anderen Familien mit ungefähr gleichaltrigen Kälbern begegnen, dann werden auch diese mit einbezogen. Dabei können  die GB-Kälber sicher sein, dass immer irgendeine ältere Elefantenkuh in der Nähe ist, die auf sie aufpasst und bei der sie, falls Schwierigkeiten auftreten würden, Hilfe finden könnten. So widmen sie sich völlig unbesorgt und mit dem für ihre Familie typischen, großen Selbstbewusstsein ihren spielerischen Aktivitäten. Diese Spiele sind für sie sehr wichtig, da sie dabei einerseits viele neue Technik erlernen und gleichzeitig ihre sozialen Kompetenzen erweitern. Vor allem aber können sie, gerade beim Spielen mit Kälbern aus anderen Familien, neue Freundschaften schließen, die ihnen eines Tages vielleicht von Nutzen sein werden.

 

Kälber der LDs beim Spielen
Kälber der LDs beim Spielen

 

Für das ATE-Team waren die Begegnungen mit den GBs daher immer sehr angenehm und erfreulich. Es war wundervoll zu sehen, wie gut es dieser Familie und ihren Kälbern ging. Das erste Quartal dieses Jahres war für die Elefanten in Amboseli also insgesamt eine sehr gute Zeit und sie machten das Beste daraus.

 

Unklar war, wie sich die Verhältnisse in diesem Jahr noch weiterentwickeln würden. Wegen des vorausgesagten El Nino-Phänomens musste damit gerechnet werden, dass sich die Bedingungen in den folgenden Monaten möglicherweise weniger günstig entwickeln würden. Doch in den ersten drei Monaten dieses Jahres war die Situation mehr als optimal, und so war zu hoffen, dass die Elefanten jetzt genug Reserven anlegen konnten, um damit dann auch durch härteren Phasen zu kommen.

 

(Alle Fotos © Amboseli Trust for Elephants)

 

Wildlife Action Group Malawi: Jahresbericht 2025

Thuma Waldreservat

„Das Jahr 2025 hat uns auf eine Weise auf die Probe gestellt, auf die wir uns kaum vorbereiten konnten. Und doch gibt es trotz aller Herausforderungen Außergewöhnliches zu berichten: Zum achten Mal in Folge wurde in unserem Einsatzgebiet offiziell kein einziger Elefant von Wilderern getötet.“

Lynn Clifford, WAG Director Operations „Wildlife Action Group Malawi: Jahresbericht 2025“ weiterlesen

Thuma Telegraph Mai 2026

(c) Wildlife Action Group

Das erste Quartal 2026 ist Vergangenheit, die Regenfälle hörten Ende April auf, und der Wald ist üppig und grün, und alle Bäche fließen wieder.


Die Geschichte von Mwayi

Im Januar 2026, wir waren gerade in der Stadt, erhielten wir einen unerwarteten Anruf aus einem Dorf nahe der nördlichen Grenze Thumas. Es wurde uns mitgeteilt, dass man an einem Fluss ein Elefantenbaby gefunden habe und dass man um unsere Hilfe bitte.. Zunächst waren wir uns nicht sicher, ob die Meldung echt war, machten uns aber sofort auf den Weg, um der Sache nachzugehen.
Bei unserer Ankunft fanden wir ein sehr junges Kalb vor, ein Elefantenmädchen, das von Dorfbewohnern umringt war. Es war extrem klein und sichtlich in Not – überhitzt, erschöpft und äußerst verletzlich. Es schien, als sei es nur knapp dem Ertrinken entkommen. Möglicherweise war das Baby in den Fluss gefallen, mitgerissen worden und von seiner Herde getrennt worden. Von diesem Moment an war klar, dass wir alles tun mussten, um ihm zu helfen.

Mwayi (c) Wildlife Action Group
Mwayi (c) Wildlife Action Group

„Thuma Telegraph Mai 2026“ weiterlesen

Amboseli News: Oktober bis Dezember 2025

Freshet und andere Mitglieder der FBs

Während des letzen Quartals im Jahr 2025 entdeckte das Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) 48 neue Kälber unter den Elefanten Amboselis. Der Babyboom der vergangenen Monate setzte sich somit fort, wodurch sich die Gesamtzahl der Geburten in diesem Jahr auf über 220 erhöhte. Mehr als 30 % der weiblichen Elefanten im fortpflanzungsfähigen Alter hatten im Jahr 2025 ein Kalb zur Welt gebracht, wodurch es zu diesem Rekordergebnis kam. Viele dieser Kälber waren Mitte 2023 gezeugt worden, also während trockener Monate, in denen es aber dank vorausgegangener reicher Niederschläge trotzdem ein gutes Nahrungsangebot  gegeben hatte. Was den Babyboom in 2025 noch erfreulicher machte war die Feststellung, dass es fast allen der neugeborenen Kälber sehr gut ging. Nur zwei hatten nicht überlebt, und außerdem wurde im letzen Quartal auch bei den erwachsenen Elefanten kein Todesfall verzeichnet. Diese Entwicklung bot berechtigten Anlass für Optimismus.

 

Freshet und andere Mitglieder der FBs
Freshet und andere Mitglieder der FBs

 

Wenn dem ATE-Team trotzdem etwas Sorge bereitete, dann waren es die ein wenig unter dem Durchschnitt liegenden Regenmengen, die es im Dezember gegeben hatte. Doch da die früher im Jahr erhaltenen Niederschläge weit über dem Durchschnitt lagen gab es einen Puffer, der die Vegetation weiterhin kräftig hielt, so dass es noch zu keinem Nahrungsengpass bei den Elefanten kam. Allerdings war doch zu beobachten, dass der Weidedruck durch die Wildtiere und dem Vieh der lokalen Bevölkerung die Vegetation in einigen Gebieten bereits deutlich dezimiert hatte. Es blieb zu hoffen, dass die nächste Regenzeit, die von Ende März bis Ende Mai zu erwarten war, wieder ausreichend Niederschläge bringen würde.

Während der trockenen Monate kehren normalerweise viele Elefanten und andere Wildtiere in den Park zurück, da die außerhalb liegenden Gebiete nach und nach austrocknen. Die im Zentrum des Nationalparks liegenden Sümpfe bieten hingegen das ganze Jahr über verlässlich Wasser und Nahrung.

 

Blick auf den mit frischem Schnee gekrönten Kilimanjaro
Blick auf den mit frischem Schnee gekrönten Kilimanjaro

 

Das Team des ATE ist zu dieser Zeit gewöhnlich sehr damit beschäftigt zu kontrollieren,  wie es den einzelnen Familien geht, ob es Zuwachs oder Verluste gegeben hat oder Veränderungen in der Familienstruktur festzustellen sind.

Dieses Jahr mussten sie ihre Zeit allerdings auch für mehrere andere Aktivitäten nutzen. Ein großer Teil davon betraf Aufklärungsveranstaltungen für die lokale Bevölkerung, in deren Rahmen den Menschen vermittelt wurde, wie sie Konflikte mit Elefanten vermeiden und – falls sie dennoch eintreten – sicher und gewaltfrei lösen können. Außerdem wurde für die Ranger der Big Life Foundation, welche zu den wichtigsten Partnern des ATE zählt und außerhalb des Parks tätig ist, ein dreitägiges Training durchgeführt. Alle diese Arbeiten sind wichtig, um ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Elefanten zu ermöglichen und dadurch die Toleranz der Menschen gegenüber diesen Tieren zu bewahren. Dies ist unerlässlich, wenn man das Überleben der Elefanten sicherstellen will.

Die Hauptaufgabe des ATE-Teams bleibt aber natürlich die Feldforschung, um weiterhin möglichst viel über die Elefanten zu lernen sowie die Entwicklung von Familien und Individuen zu verfolgen.

 

Aurora B von den AAs
Aurora B von den AAs

 

Eine besonders schöne Beobachtung gab es im Dezember. Die AA-Familie, die sich normalerweise ziemlich standorttreu im Zentrum des Parks aufhält, war etwas weiter gewandert und bildete eine Gruppe mit den FA- und FB-Familien sowie zehn unabhängigen Bullen. Obwohl es noch in vielen Gebieten ausreichend Nahrung gab, so dass die Elefanten nicht gezwungen waren, sich wegen der Nahrungssuche nah bei einander aufzuhalten, hatten sie sich dennoch in einer Gruppe zusammengeschlossen. Einfach nur, weil sie die Gesellschaft der anderen genossen.

Elefanten sind sehr soziale Tiere, die es gerade in Zeiten mit gesicherter Nahrungsversorgung lieben, sich mit anderen Familien und Bullen zu treffen. Es ist immer ein eindrucksvolles Erlebnis, solche Versammlungen zu beobachten, die als eine große Herde friedlich durch die Weidegründe ziehen.

 

Eine Gruppe der AA-Familie
Eine Gruppe der AA-Familie

 

Eine große Überraschung erlebte das ATE-Team bei einer Begegnung mit der KB-Familie. Beide Familienzweige, der eine angeführt von Kalliope und der andere von Kate, waren das ganze Jahr über mehrfach beobachtet worden und es ging allen gut. Vor allem auch die 2025 geborenen Kälber machten einen lebhaften und neugierigen Eindruck und wurden immer verspielter.

 

Kalliope, eine Matriarchin der KBs
Kalliope, eine Matriarchin der KBs
Keetee und mehrere Kälber der KBs
Keetee und mehrere Kälber der KBs

 

Von einem der neuen KB-Kälber hatte ATE Anfang des Jahres berichtet, dass es Kigali zur Welt gebracht hatte und dabei bemerkt, wie aufmerksam sich Kalybar gegenüber dem Neugeborenen verhielt. (Kalybar ist eine Nichte Kigalis, allerdings acht Jahre älter.) In den vergangenen Monaten zeigten wiederholte und sorgfältige Beobachtungen jedoch, dass Kalybar selbst die Mutter dieses Kalbs war. In Elefantenfamilien kümmern sich oft mehrere Kühe ausgiebig um die kleinen Kälber und manchmal werden diese sogar von ihnen gesäugt. Das Säugen fremder Kälber ist zwar nicht alltäglich, kann aber gerade bei eng verwandten Familienmitgliedern doch immer wieder beobachtet werden. In diesen Fällen ist es schwierig festzustellen, wer die wirkliche Mutter ist. Oft kann das Rätsel erst durch längere Beobachtungen gelöst werden. Auch dieses Verhalten zeigt den engen Zusammenhalt in einer Elefantenfamilie.

 

Kalybar und ihr Kalb
Kalybar und ihr Kalb

 

Das vierte Quartal des Jahres 2025 bildete den sehr erfreulichen Abschluss eines Jahres, das ohnehin bereits von überwiegend positiven Entwicklungen geprägt war. Das Team des ATE sieht daher dem kommenden Jahr mit einer guten Portion Optimismus entgegen. Dem schließen wir uns gerne an.

 

(Alle Fotos © Amboseli Trust for Elephants)