Die Rettung von Daba

(übersetzt aus dem englischen Bericht des Sheldrick Wildlife Trusts; alle Bilder © Sheldrick Wildlife Trust)

Daba ist ein sanftmütiges Wesen. Er findet sich langsam in sein neues Leben hinein und gewöhnt sich daran, dass er in Zukunft nie mehr allein sein muss. Ab und zu zeigen sich aber auch die ersten Anzeichen seiner frecheren Seiten. Und es ist zu vermuten, dass diese mit der Zeit immer mehr zum Vorschein kommen werden!

Dabas Geschichte beim Sheldrick Wildlife Trust (SWT) begann am Morgen des 30. September 2025. Die Hundestaffel von SWT und Kenya Wildlife Service (KWS) hielt gerade eine Traningseinheit auf dem Land der Galana Ranch ab, als sie ein kleines Elefantenkalb erspähten, das ganz allein umher irrte. Das Team beschattete es einige Stunden lang, in der Hoffnung, dass es seine Familie wiederfinden würde. Je mehr Zeit verstrich, desto hoffnungslos wurde allerdings die Lage: es gab keine anderen Elefanten in der Nähe, und der kleine Bulle war viel zu jung, um ganz allein unterwegs zu sein. Ein Kalb in diesem Alter überlebt für gewöhnlich nicht lange ohne Muttermilch und den Schutz seiner Herde.

Das gerettete Kalb auf einer Plane
Das gerettete Kalb auf einer Plane

Die Hundestaffel erbat Verstärkung vom in der Nähe gelegenen Stützpunkt in Lali. Während einige Ranger das Kalb beobachteten, suchte ein zweites Team inzwischen weiter nach seiner Mutter und Herde — aber auch sie fanden keine weiteren Elefanten im näheren Umkreis.

Alle waren ratlos. Das Baby hatte keine sichtbaren Wunden und Anzeichen von Krankheit, abgesehen davon, dass es schon recht dünn war, was darauf hindeutete, dass es schon eine Weile auf sich allein gestellt gewesen sein musste. Die Helfer konnten nur Vermutungen anstellen. An den Wasserstellen in der Gegend ist während der Trockenzeit immer viel los, und so positionieren sich häufig Löwen dort, weil sie wissen, dass dort immer viel Beute auf sie wartet. Immer wieder hört man nachts Elefanten trompeten, Löwen brüllen und Herden wild durcheinander rennen! Möglicherweise war er bei einer solchen Gelegenheit im Chaos von seiner Herde getrennt worden und konnte sie nicht wiederfinden.

Daba wird von den anderen Waisen umrüsselt
Daba wird von den anderen Waisen umrüsselt

Nachdem klar war, dass das Kalb verwaist war, gab der KWS grünes Licht für eine Rettungsaktion. Die Helfer fingen es ein und beruhigten es, während geeignete Fahrzeuge für den unwegsamen Busch aus dem Stützpunkt in Kali gebracht wurden. Danach wurde es vorsichtig auf eine Plane gehoben, mit dieser auf einen Anhänger gelegt, der schließlich mit einem Traktor zurück zum Stützpunkt gezogen wurde. Von dort kam das Waisenbaby erst einmal in die Auswilderungsstation in Voi, die nicht weit entfernt liegt.

Es wird vermutet, dass der kleine Bulle zur großen Dabaduki-Herde gehörte, die sich häufig an den Wasserstellen um Lali herum aufhält. Dabaduki ist Somali und bedeutet soviel wie „Hinterteil“, englisch „behind“, und so wurde er Daba genannt — wie „left behind“: „zurückgelassen“.

Daba bekommt eine Rüsselmassage
Daba bekommt eine Rüsselmassage

Der kleine Daba blieb eine Weile in Voi, aber gesundheitlich machte er kaum Fortschritte. Daher wurde Mitte Oktober beschlossen, dass er ins Waisenhaus des SWT in Nairobi gebracht werden sollte, wo die Bedingungen nicht ganz so harsch sind und man sich besser um ihn kümmern kann.

Da er in Voi schon andere Waisen kennengelernt hatte, war er schon gut eingewöhnt in das Leben im Waisenhaus. Es dauerte nicht lange und er konnte sich dem Rest der Herde draußen im Wald anschließen. An dem großen Tag wurden Kerrio, Nyambeni und Mzinga zusammengerufen, um den Neuling von seinem Stall abzuholen und ihn hinaus zu begleiten. Wamata und Arthi waren nicht gerade begeistert, dass so ein Neuankömmling ihnen den Status als Nesthäkchen der Herde streitig machen würde, aber alle anderen waren sehr freundlich zu ihm.

Daba bei seinen älteren Kollegen
Daba bei seinen älteren Kollegen

Dabas Keepers berichten, dass er ein ruhiger und umsichtiger kleiner Elefantenjunge ist. Er ist recht schreckhaft und mag es nicht, wenn sich jemand von hinten an ihn anschleicht. Muridjo, die neue Nachwuchs-Leitkuh der Waisenherde in Nairobi, hat ihn unter ihre Fittiche genommen und kümmert sich gut um ihn. Wenn er nicht bei ihr ist, findet man ihn meistens bei Arthi oder Alia.

Obwohl er sehr schüchtern ist, hat er schon ein paar Tricks auf Lager! So kennt er zum Beispiel schon genau die Zeiten und Orte der Milchfütterungen und versucht ein ums andere Mal, schon überpünktlich dort aufzukreuzen! Eines Morgens schlich er sich von der Herde weg und machte sich auf den Weg zu den Stallungen, in der Hoffnung, die Schubkarre mit den Milchflaschen schon vorzeitig abzupassen. Als das misslang, rannte er schnell zum Schlammbad hinunter — wo er allerdings weder Milch vorfand noch Keeper, die ihn fütterten, und daher laut protestierend zu trompeten begann!

Daba lugt über seine Stalltür
Daba lugt über seine Stalltür

Aber Dabas süßeste Eigenart zeigt er nachts. Obwohl er alle drei Stunden gefüttert wird, Tag und Nacht, wird er schnell ungeduldig; wenn er hört, wie draußen die Milchflaschen vorbereitet werden, streckt er den Rüssel zum Bett seiner Keepers hoch und zieht dem schlafenden Mann die Decke weg! Wenn das immer noch nicht hilft, geht er noch weiter: irgendwie hat er schon gelernt, sich auf die Hinterbeine zu stellen — was die meisten Elefanten in seinem Alter noch lange nicht können —, stellt die Vorderfüße auf den Rand des Betts, in dem der Keeper schläft, und weckt ihn mit einem Rüsselschmatz!

Daba hat in seinem zarten Alter schon einiges durchgemacht. Niemand weiß, warum er verwaiste, aber ganz offensichtlich hat ihn das sehr mitgenommen. Aber so langsam gewöhnt er sich nun an sein neues Leben und gewinnt wieder an Stärke und Zuversicht — und es kommt ein gewitzter kleiner Elefant zum Vorschein. Der kleine Bulle, der als „Zurückgelassener“ zur Waisenherde kam, wird jetzt nie mehr allein sein müssen.

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Daba in seinem Stall
Daba in seinem Stall