Mukutan, Choka und Loldaiga ziehen nach Ithumba um

(übersetzt aus dem englischen Bericht des Sheldrick Wildlife Trusts; alle Bilder © Sheldrick Wildlife Trust)

Das Jahr 2025 startete beim Sheldrick Wildlife Trust (SWT) in Kenia mit einem besonderen Ereignis: Am 11. Januar 2025 zogen die großen Jungs im Waisenhaus, Mukutan, Choka und Loldaiga, in die Auswilderungsstation nach Ithumba um, wo sie den nächsten Schritt hin zu einem Leben in der Wildnis gehen werden.

Im Dezember zuvor fingen Mukutan, Choka und Loldaiga an, für ihren Umzug zu trainieren. Die drei waren damals alle vier Jahre alt, die ältesten Waisenbullen in der Herde in Nairobi, und so langsam wurden sie zu groß für das Waisenhaus. Außerdem hatten sie angefangen, sich immer mal wieder von der Waisenherde abzusetzen — es war klar, dass sie bereit waren, ihren Horizont zu erweitern!

Die Keeper im Waisenhaus verabschieden sich von den drei Jungs
Die Keeper im Waisenhaus verabschieden sich von den drei Jungs

Die Vorbereitungen beginnen immer damit, dass die Waisen ihre Milchflaschen im Umzugs-LKW bekommen, der sie dann auch nach Tsavo bringt. Wie üblich war das in den ersten Tagen nicht ganz einfach, aber nach einer Woche hatten sie sich daran gewöhnt. Mukutan hatte sich sogar schon so mit dem LKW angefreundet — oder vielleicht auch eher mit der leckeren Milch, die darin auf ihn wartete —,  dass er sich zwischendrin auch ab und zu dorthin schlich, um zu sehen, ob vielleicht etwas abzustauben wäre!

Der Umzugs-LKW auf dem Weg in das üppig grüne Tsavo
Der Umzugs-LKW auf dem Weg in das üppig grüne Tsavo

Es gab sogar noch einen Freiwilligen, der auch mit trainieren wollte: der unersättliche kleine Pardamat, der sich keine Leckerei entgehen lässt, ergriff die Gelegenheit, die sich ihm beim Training bot. Als Choka sich eines Nachmittags zum LKW schlich, um sich noch ein paar Pellets abzuholen, brachte er seinen kleinen Freund Pardamat mit. Die Keeper staunten nicht schlecht, als Pardamat ohne zu zögern an Bord ging! Der freche Bulle schnappte sich eine ordentliche Portion Pellets und rannte damit zurück in den Wald. Damit war es für ihn aber erst einmal getan, denn im Alter von zwei Jahren braucht er noch etwas Zeit, bis er so weit ist , in die Auswilderungsstation umzuziehen.

Die Waisen feiern ihren gelungenen Umzug mit Milchflaschen!
Die Waisen feiern ihren gelungenen Umzug mit Milchflaschen!

Die großen Jungs waren schließlich bereit für den Umzug. Da die Regenfälle in der Regenzeit zuvor recht ausgiebig gewesen waren, war Ithumba die perfekte Umgebung für die Neuankömmlinge. Am frühen Morgen des 11. Januar wurden Mukutan, Choka und Loldaiga in den LKW geführt. Alle drei stiegen ohne Probleme ein — wobei sie vermutlich vor allem die Milchflaschen im Sinn hatten, die drin auf sie warteten!

Begrüßungsfeierlichkeiten in Ithumba
Begrüßungsfeierlichkeiten in Ithumba

Die folgende Fahrt nach Tsavo verlief ohne weitere Besonderheiten; einige erfahrene Keeper waren mit von der Partie, und ab und zu wurde angehalten und die Waisen mit Milch und frischem Grün versorgt. Mukutan, Choka und Loldaiga blieben die Ruhe in Person, ließen sich die Leckereien schmecken und fühlten sich sichtlich wohl.

Roho verwickelt Choka gleich in ein kleines Kräftemessen
Roho verwickelt Choka gleich in ein kleines Kräftemessen

Punkt 9 Uhr fuhr der LKW in Ithumba, im nördlichen Teil des Tsavo East Nationalparks, vor. Chef-Keeper Benjamin und seine Kollegen in der Auswilderungsstation standen schon bereit, die Neuankömmlinge zu begrüßen. Diese schauten sich kurz um und konnten sich dann erst einmal über eine Milchflasche freuen. Danach gingen sie zur Tränke, und ihre zukünftige Herde schloss sich ihnen dort an.

Loldaiga marschiert voran
Loldaiga marschiert voran

Das Begrüßungskomittee sollten eigentlich einige der noch milchabhängigen Waisen bilden, aber die Elefanten hatten offenbar andere Pläne! Überraschend tauchten die Ex-Waisen Olare mit Baby Ola, Nabulu, Olsekki und Ndiwa wie aus dem Nichts auf, gerade als die Jungs ausstiegen. Diese ehemaligen Waisen waren schon seit ein paar Wochen nicht da gewesen und es schien, als ob sie extra für die Neulinge angekommen waren! Es ist immer wieder erstaunlich, wie die bereits ausgewilderten Elefanten solche Gelegenheiten zu spüren scheinen und sich den Begrüßungsfeierlichkeiten anschließen.

Mukutan posiert vor dem Ithumba-Berg
Mukutan posiert vor dem Ithumba-Berg

Mayan und Vaarti, die bis zu diesem Tag die Nesthäkchen von Ithumba gewesen waren, kamen direkt nach den Ex-Waisen. Sie wollten offenbar die Neulinge gleich einmal unter die Lupe nehmen und herausfinden, wer ihnen da ihren Platz streitig machen würde! Mayan schien nicht gerade begeistert zu sein von der Aussicht, dass er jetzt in die zweite Gruppe aufrücken würde.

Choka, dahinter Baby Ola
Choka, dahinter Baby Ola

Loldaiga überraschte alle, als er mutig gleich einmal Sattao und später auch Olorien zu einer Rangelei herausforderte. Schließlich wurden die drei Jungs hinaus zum Grasen geführt. Nabulu schien sich sehr für Loldaiga zu interessieren, während Ndiwa sich um Mukutan bemühte. Choka spielte eine Weile mit Roho, bevor er ohne zu zögern den Weg zum Kone-See vorgab, wo sich alle etwas abkühlen konnten.

Loldaiga genießt das Bad mit ihren Artgenossen
Loldaiga genießt das Bad mit ihren Artgenossen

Nach einem ereignisreichen Tag mit Grasen, Milchflaschen und Abkühlungen im Wasser wurden die Jungs in ihr neues Nachtgehege geführt. Nach ein paar Tagen hatten sie alles Wichtige schon gelernt und kannten sich in Ithumba bereits prima aus. Choka entpuppte sich als sehr extrovertierter Elefant und lud sogar Olares Baby Ola ein, mit ihm zu spielen. Mukutan und Loldaiga dagegen interessierten sich eher für die Artgenossen ihres Alters. Abgesehen von Mayan, der zu Beginn etwas gemeckert hatte, waren alle sehr freundlich und hießen die Neulinge herzlich willkommen.

Die alteingesessenen Bewohner zeigen Mukutan und Loldaiga die Stellen mit dem besten Grün
Die alteingesessenen Bewohner zeigen Mukutan und Loldaiga die Stellen mit dem besten Grün

Mukutan, Choka und Loldaiga hatten schon einiges durchmachen müssen, bevor sie gerettet wurden. Sie waren Opfer von Dürre, kombiniert mit Mensch-Wildier-Konflikt. Mukutan wurde als erster der drei gerettet, im November 2021. Er hatte sich in einem Maisfeld versteckt und war zu Beginn ungewöhnlich verängstigt und aggressiv — was darauf hindeutet, dass er einige Schrecken hinter sich gehabt haben muss.

Baden ist besonders wichtig an so einem heißen Tag!
Baden ist besonders wichtig an so einem heißen Tag!

Choka war nur vier Tage nach Mukutan gerettet worden. Er war gefunden worden, als er sich an seine sterbende Mutter kuschelte, die der schrecklichen Dürre, die in Tsavo damals herrschte, zum Opfer gefallen war. So abgemagert wie er damals aussah, wäre es ihm kurz danach ebenso ergangen. Zum Glück wurden einige Touristen beim Vorbeifahren auf ihn aufmerksam, und so konnte er gerade noch rechtzeitig gerettet werden.

Die Neuankömmlinge lernen ihre neuen Keepern kennen
Die Neuankömmlinge lernen ihre neuen Keepern kennen

Loldaiga war genau zwei Jahre vorher, im Januar 2023 gerettet worden. Er war beobachtet worden, wie er schon eine Woche allein unterwegs gewesen und langsam an seine Grenzen gestoßen war. Möglicherweise hatte er seine Mutter verloren, aufgrund der Dürre oder damit verbundenen Konflikten mit Menschen,   oder er war zu schwach geworden, mit der Herde mitzuhalten und musste zurückgelassen werden.

Auf in ein neues Leben in Tsavo!
Auf in ein neues Leben in Tsavo!

Auswilderung ist ein langwieriger Prozess, und für jeden Elefanten geht dieser individuell und in anderem Tempo voran. Vom Tag ihres Umzug an lernen nun Mukutan, Choka und Loldaiga über die folgenden Monate und Jahre, begleitet von ihren älteren Freunden, wie sie am besten in der Wildnis zurechtkommen, bis sie schließlich ihren Platz dort einnehmen können. Und auch ihre Keeper werden sie auf diesem Weg begleiten und in diesem neuen Kapitel ihres Lebens — und wenn nötig auch danach noch — für sie da sein.